E-Tretroller-Verleiher erobern bald die Straßen von Berlin

E-Tretroller-Verleiher erobern bald die Straßen von Berlin

Urban Mobility geht mit den elektrisch betriebenen Tretrollern (E-Scooter) in die nächste Runde. Zahlreiche Sharing-Anbieter sind international schon aktiv und stehen mit ihren Angeboten deutschlandweit in den Startlöchern. Bald werden auch die Straßen von Berlin von elektrischen Scootern erobert. Wann geht’s los, welche Anbieter wird es geben und was kostet der Spaß?

Herkömmliche Verkehrskonzepte wie ÖPNV oder Taxi werden zunhemend durch moderne Alternativen ergänzt. Großstädte gewinnen verkehrstechnisch immer mehr an Agilität. So ist die Idee des Ridesharings, bei dem Menschen in einem Fahrzeug gebündelt von A nach B fahren, auch relativ neu in Deutschland. Mit den neuen E-Tretrollern kommt erneut Fahrtwind in die Urban Mobility.

E-Scooter Start in Deutschland

In vielen Ländern und Städten Europas gehören die neuen und windigen elektrischen Scooter schon zum täglichen Straßenbild. In Deutschland sind die kleinen Flitzer offiziell noch nicht für den Straßenverkehr zugelassen.

Hierzulande wird noch über einen konkreten Gesetzesentwurf (Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung) vom Verkehrsminister Andreas Scheuer diskutiert, der die E-Tretroller reglementieren soll. Nach den Plänen des Bundes sollen demnach elektronisch betriebene Tretroller, die langsamer als 12 km/h fahren, auf Fußgängerwegen fahren dürfen und dann auch nur in Schrittgeschwindigkeit. Elektronische Scooter, die schneller als 12 km/h flitzen können, sollen jedoch nur auf dem Fahrradweg bewegen dürfen.

Der Verkehrsausschuss des Bundesrates zeigte jedoch seine Bedenken und verwies auf die Gefahren und das mögliche Chaos auf den Fußgängerwegen. Frühestens am 17. Mai soll voraussichtlich über den Gesetzesentwurf abgestimmt werden.

Welche E-Scooter wird es in Berlin geben?

In Deutschland stehen einige sogenannte Electric-Scooter-Sharing Anbieter (langes Wort), also eben diese Anbieter, die diese kleinen Rollern zur kurzfristigen Miete anbieten, in den Startlöchern. Laut RBB sollen es inoffiziell anscheinend acht Unternehmen sein, die in Berlin auf den Auftakt warten.

Die größten Herausforderer in diesem Marktsegment der Shared Mobility sind unter anderem die US-amerikanischen Unternehmen Lime und Bird. Lime ist auf den Straßen Berlins schon mit seinen Leihfahrrädern “LimeBikes” seit 2018 bekannt und hat sich dadurch sogleich einen kleinen Heimvorteil ergattert.

Das schwedische Start-up VOI Technology aus Stockholm und das Berliner Start-up TIER Mobility warten ebenfalls auf den Startschuss in Deutschland. Auch das deutsche Unternehmen My Taxi, das zu Daimler gehört, will mit seiner Marke Hive, die in Portugal schon aktiv ist, auf dem deutschen Markt mitmischen.

Der Gründer von Delivery Hero Lukas Gadowski und sein Expertenteam bereiten mit ihrem Unternehmen GOFLASH den Einstieg in das Scooter-Sharing Geschäft vor. VW will den Markt im E-Step-Scooter-Verleih wohlmöglich auch testen. Dafür will der weltweit größte Automobilhersteller mit dem chinesischem Start-up Niu zusammenarbeiten.

Mögliche E-Step-Scooter-Sharing Anbieter in Berlin auf einen Blick

Welche Vorteile und Nachteile bieten E-Scooter?

Die neue Art der Urban Mobility gehört in die Kategorie “Micro-Mobility”, also Mikromobilität und hat offensichtliche sehr viele Vorteile für den Nutzer. Die kleinen Scooter sind besonders für kurze Strecken innerhalb der Stadt interessant, sie sind frei von Emissionen und zudem verursachen sie keinen zusätzlichen Lärm auf der Straße. Sie verbrauchen nicht viel Platz und können gut mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln kombiniert werden. So lässt sich ein E-Tretroller auch gut in der U-Bahn oder in der S-Bahn transportieren oder die “letzte Meile” damit bequem fahren.

Zu den größten Nachteilen gehören die Punkte die Konkurrenz mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Sicherheitsaspekt. Radfahrer und Fußgänger müssen sich den Platz auf der Straße nun zukünftig mit den kleinen Tretrollern teilen. Zusätzliche Verkehrsteilnehmer auf den Geh- und Radwegen bedeuten auch mehr Stress. Ärger und Streitigkeiten sind vermutlich vorprogrammiert.

Es besteht außerdem keine Helmpflicht für die Fahrer der kleinen Flitzer. In der Vergangenheit gab es in anderen Ländern schon schwere Unfälle zwischen E-Scootern und Autos oder Passanten.

Ähnlich wie beim Bikesharing könnten die Nutzer von E-Scootern auf die Idee kommen und die Geräte wahllos in der Stadt abstellen und dadurch Verärgerung und Chaos auf den Straßen verursachen – was in Städten wie Paris aktuell passiert.

Wie benutzt du einen elektrischen Tretroller?

Die Benutzung bzw. die Miete eines E-Scooter ist einfach. Du brauchst ein Smartphone, natürlich Internetm, die App und einen Account beim E-Scooter-Verleiher. Nach der Anmeldung und Hinterlegung einer Zahlungsart kannst du via App die E-Tretroller auf einer Karte aufspühren und per QR-Code freischalten.

E-Scooter im Test: Die Roller von Lime, Bird und Tier

E-Scooter-Sharing in Berlin: Was kostet eine Fahrt mit dem E-Scooter?

Da die E-Scooter-Verleiher in Deutschlad noch nicht gestartet sind, kann noch nichts genaueres über die Preise gesagt werden. Ein Blick in die Haupstadt des Nachbarlandes Österreich gibt aber erste Hinweise. In Wien müssen die Kunden  für einen geliehenen E-Scooter zum Beispiel pauschal 1 Euro pro Fahrt und 15 Cent pro angefangener oder abgelaufener Minute zahlen.

Wie schnell fahren E-Scooter?

Elektrische Tretroller dürften wohl aus Sicherheitsgründen und aus Gründen des Versicherungsschutzes auf 25 km/h gedrosselt sein. Denn in Deutschland müssen Fahrzeuge, die schneller als 25 km/h fahren, unter anderem eine Haftpflichtversicherung haben und mit einem Versicherungskennzeichen versehen werden.

E-Step-Scooter Update: 17.05.2019

Der Bundesrat hat am 17.05. über das neue E-Scooter-Gesetz beschlossen und die Regeln festgelegt. Demnach sollen die E-Tretroller bald für die Straße in Deutschland erlaubt sein. Schon im Sommer 2019 könnte es soweit sein.

Fahren dürfen die kleinen E-Trettroller lediglich auf Radwegen und Straßen, wenn kein Fahrradweg vorhanden ist. Maximal 20 km/h sind erlaubt und die Leistung des Elektromotos ist begrenzt auf 500 Watt. Ausgenommen sind hier selbstbalancierende Fahrzeuge, deren Motorleistung 1.400 Watt betragen darf.

Eine Helmpflicht besteht für die kleinen Trettroller nicht. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre und ein Führerschein wird nicht benötigt. Dennoch müssen die Kleinstfahrzeuge versichert werden.

Quellen

n-tv.de (2019): Streit um Einsatz auf Gehwegen Bundesrat warnt vor Gefahren durch E-Roller. https://www.n-tv.de/politik/Bundesrat-warnt-vor-Gefahren-durch-E-Roller-article20997733.html, [14.05.2019]

manager-magazin.de (2019): Millionen für Berliner Scooter-Start-up: Investoren befeuern Wettkampf. https://www.manager-magazin.de/digitales/it/e-scooter-in-deutschland-start-up-tier-mobility-bekommt-millionen-a-1234662.html, [14.05.2019]

Spiegel.de (2019): Volkswagen bereitet offenbar Einstieg in E-Scooter-Verleih vor, https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/e-scooter-volkswagen-bereitet-einstieg-ins-leihgeschaeft-vor-a-1265904.html, [14.05.2019]

rbb24.de (2019): Acht Anbieter drängen ins Scooter-Leihgeschäft: Berlin steht vor dem Roller-Koller. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/01/tretroller-berlin-sharing-scooter-elektromobilitaet-leihen.html, [14.05.2019]

trendingtopics.at (2019): Tier Mobility: Berliner E-Scooter-Startup launcht in Wien in Konkurrenz zu Bird und Lime. https://www.trendingtopics.at/tier-mobility-berlin-e-scooter-launcht-in-wien/, [14.05.2019]

computerbilde.de (2019):
E-Scooter-Gesetz 2019 in Deutschland: Bundesrat hat entschieden! https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Freizeit-E-Scooter-Zulassung-Deutschland-Gesetz-2019-22546167.html, [18.05.2019]

5/5 (9)