Den Hauptmann von Köpenick in Köpenick besuchen

Den Hauptmann von Köpenick in Köpenick besuchen

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Der Berliner Bezirk Treptow-Köpenick ist nicht nur ein grüner und entspannter Teil Berlins, sondern auch ein Bezirk voller Geschichte. Der Hauptmann von Köpenick zum Beispiel ist eine regionale Bekanntheit in Berlin. Und durch zahlreiche Verfilmungen der spektakulären Geschichte ist der Hauptmann von Köpenick deutschlandweit und auch international berühmt geworden.  

Friedrich Wilhelm Voigt, ein geborener Ostpreuße, wurde durch seinen Coup in Berlin Köpenick (früher Cöpenick) zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Star der Gauner. Er verkleidete sich als Hauptmann, kommandierte ein Trupp Soldaten auf der Straße ab und drang gemeinsam mit ihnen in das Köpenicker Rathaus ein. Dort ließ er den Bürgermeister verhaften und raubte die Stadtkasse.

Vorgesichte: Der Hauptmann von Köpenick

Schon in seiner Kindheit geriet Wilhelm Voigt schnell auf die schiefe Bahn. Für zahlreiche Urkundenfälschungen und Diebstähle landete er viele Jahre hinter Gittern. Nach einer 15-jährigen Haftstrafe begann er schließlich in Wismar eine Ausbildung als Schuhmacher.

Da sein Vorstrafenregister aber schon so lang war, erhielt er ein polizeiliches Aufenthaltsverbot in der Region. Daraufhin zog er zu seiner Schwester nach Berlin, wo er in einer Schuhfabrik zu arbeiten begann. Aber auch in Berlin bekam Voigt ein Aufenthaltsverbot aufgrund seiner vielen Vorstrafen. Ein Aufenthaltsverbot hieß auch, dass Wilhelm auch nicht legal weiterarbeiten durfte. Eine Sackgasse, denn ohne Moss nix los.

Wilhelm-Voigts-Lebenslauf
Bild im Rathaus Köpenick: Wilhelm Voigts Lebenslauf

Der Hauptmann von Köpenick wird geboren

In diversen Trödelgeschäften sammelte sich Wilhelm Voigt schließlich die Uniform eines Hauptmanns zusammen und ernannte sich damit selbst zum Hauptmann.

Am 16. Oktober 1906 machte er sich in der Kluft des Hauptmanns in den Berliner Westen auf und kommandierte dort einige Garde- und Wachsoldaten auf „allerhöchsten Befehl“ ab. Mit insgesamt zehn Mann fuhr Voigt nach Köpenick, ließ dort das Rathaus von den Soldaten abriegeln, den Bürgermeister verhaften und abtransportieren. Die Stadtkasse nahm er mit und machte sich schließlich von dannen zurück nach Berlin. Er erbeutete etwa 3.500 Mark, die heute umgerechnet den Wert von fast 22.000 Euro entsprechen.

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Der Hauptmann von Köpenick

Wenige Tage später wurde der Wilhlem Voigt jedoch verhaftet, weil ihn ein alter Zellenkamerad, der von seinen Plan wusste, bei der Polizei verpfiff. Voigt wurde daraufhin zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde wieder aufgehoben, da ihn der Kaiser begnadigte.

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Rathaus Köpenick: Uniform des Hauptmann von Köpenicks in der Ausstellung

Als Hauptmotiv der Tat gab der falsche Hauptmann an, er wollte ausschließlich an einen Pass, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Es ist aber davon auszugehen, dass er es vordergründig auf das Geld abgesehen hatte. Denn Voigt vermutete in der Stadtkasse von Köpenick nicht 3.500, sondern etwa zwei Millionen Mark (umgerechnet etwa 12,5­­ Millionen Euro).

Wilhelm Voigt verbrachte seinen restlichen Lebensabend in Luxemburg, wo er im Alter von 73 Jahren verstarb und beerdigt wurde.

Der Hauptmann von Köpenick immer noch in Köpenick

Zwar ruhen die Gebeine des Hauptmanns in Luxemburg, Köpenick hat dem Hauptmann aber eine Statue gewidmet, die direkt vor dem alten Rathaus einladend platziert ist.

Im Rathaus, das schon über 110 Jahre alt ist, gibt es eine kleine Ausstellung mit Bildern, Artefakten mit allen Hintergrundinformationen rund um die Geschichte. Selbst der alte Tresor mit der Stadtkasse ist noch zu sehen.

Wer Sie dem alten Gauner Voigt auf die Schliche kommen wollen, dann besuchen Sie ihn im Rathaus Köpenick und erfahren mehr über die Geschichte!

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Rathaus Köpenick alte Stadtkasse im Tresor